Die vierzig Tage des Musa Dagh – Roman von Franz Werfel

Geschrieben am 28.07.2015
von Franz Werfel

40Tage

Franz Werfel zählte in den 1920er und 30er Jahren zu den erfolgreichsten Autoren des deutschen Sprachraums. 1930 begegnete er auf einer Reise durch Anatolien verkrüppelten und verarmten Jugendlichen und wurde so auf den Völkermord an den Armeniern (1915-17) aufmerksam. Nach akribischen Recherchen erschien 1933 der Roman ›Die vierzig Tage des Musa Dagh‹. Darin wird das Schicksal einer armenischen Familie beschrieben, die langsam ausgegrenzt und schließlich mit Waffengewalt verfolgt wird. Auf dem Heimatberg, dem Musa Dagh, leistet ihre Dorfgemeinschaft der Vertreibung Widerstand.

Werfel beschreibt diese auf historischen Begebenheiten basierende Geschichte psychologisch einfühlsam und sprachlich mitreißend. Sowohl der Prozess der Erniedrigung und Entmenschlichung von Seiten der Täter, als auch die Psychologie der Ermutigung aus einer scheinbar aussichtslosen Lage heraus wird für den Lesenden nachvollziehbar.

Der Roman wurde nach seinem Erscheinen sowohl von der armenischen Diaspora, als auch von der jüdischen Gemeinschaft hochgelobt. 1934 wurde das Werk von den Nationalsozialisten bereits verboten, 1938 emigrierte Werfel nach Frankreich und weiter in die USA. Um die Verantwortung an der geplanten Judenvernichtung zu relativieren, ist von Adolf Hitler jener denkwürdige Satz gegenüber skeptischen Offizieren überliefert: „Wer erinnert sich denn heute noch an die Massaker der Türken am armenischen Volk?“

Werfel konnte die geplante Vernichtung seines Volkes nicht erahnen und schon gar nicht verhindern. Sein Roman ist aber Teil jenes Weltgewissens, das an solche Verbrechen erinnert und auch 100 Jahre später nicht vergessen macht. Darum ist die Auseinandersetzung mit dieser schwierigen und nach wie vor aktuellen Thematik wichtig.

Lesekreis in der Gemeindebücherei Traisen

30. Oktober 2015, 18.00 – 20.00 Uhr

Moderation: Alexandra Eichenauer-Knoll

 

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